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En Primeur 2025

Bordeaux 2025  – der Wein der Extreme

Dass der 2025er wieder ein epochaler, grosser Jahrgang werden soll, zeichnete sich schon frühzeitig ab. Die Courtier’s und Negociant’s waren voll des Lobes für diesen Jahrgang. Doch ist dies nun einfach gutes Marketing? Denn wir wissen, dass der Planet Bordeaux zurzeit mit grossen Absatzproblemen zu kämpfen hat und demzufolge auch die Preise für die Weine mit den letzten zwei Jahrgängen massiv ins Rutschen kam.

Gerade in den letzten Jahren überboten sich die Superlativen für die Weine aus Bordeaux. Denken wir an 2016, 2018, den sehr filigranen und eleganten 2019er, den kräftigen 2020er und dann schlussendlich 2022, welcher geradezu als historisch eingestuft ist. Und nun soll schon wieder ein solch grandioser Jahrgang auf uns zukommen. Und so reise ich am 19. April mit ein wenig gemischten Gefühlen nach Bordeaux. Einerseits sollte man eine gesunde Portion Vorsicht walten lassen, wenn man bereits im Vorfeld mit Superlativen überschüttet wird, und auf der anderen Seite war recht viel Spannung dabei, weil die meteorologischen Voraussetzungen gegeben waren, dass es ein grosser Jahrgang werden könnte. Ja, das Wetter! Der Jahrgang ist gezeichnet von extremen klimatischen Bedingungen. Das feuchte, aber zu warme Frühjahr mit viel Niederschlag und dann die lange trockene Hitzeperiode im Sommer, mit teilweise ungewöhnlich hohen Temperaturen, hatten einen eklatanten Einfluss auf diesen Jahrgang.

Wer nun erwartet, dass man ein «Déjà-vu» erlebt wie beim  Jahrgang 2003, sieht sich getäuscht. Die Weine im Jahr 2003 waren superreif, konzentriert, hoch im Alkohol, breit mit mächtiger Struktur und tiefer Säure. Der 2025er ist viel komplexer – und dies meine ich durchaus im positiven Sinne. Die Weine sind dank der langen Hitzeperiode wirklich komplett ausgereift, im Gegensatz aber frisch, mit saftiger Säure und mit bemerkenswert tiefem Alkohol. Einfach unglaublich…

Aber wie kommt dies nun so zusammen - diese schmelzig voll ausgereifte Frucht und diese frische saftige Struktur, welche dem Wein jetzt schon eine tolle Trinkigkeit verleiht? Dies ist einer Vielzahl von Ereignissen und Massnamen geschuldet, welche sich schlussendlich wie kleine Steine in einem Mosaik zur Vollendung zusammenführen. Das Wetter haben wir bereits erwähnt, welches von Extremen geprägt war. Die lange trockene Hitzeperiode, welche schlussendlich durch Regen Anfangs August beendet wurde und den Reben das dringend benötigte Wasser bescherte. Ein weiterer Schlüssel ist das Terroir. Die Reben, welche auf wasserspeichernden Böden gedeihen konnten, brachten unglaubliche Weine hervor. Lehm- und kalkhaltige Böden speichern Wasser wie ein Schwamm und so kann die Rebe trotz der Trockenheit hervorragend gedeihen und verfällt nicht einem Hitzestress. Hierbei sei das Plateau von Saint-Émilion erwähnt und die Terrasse Quatre im Médoc, wo wir eine Vielzahl der besten Weine finden. Reben auf sandigen Böden waren eher im Nachteil.  Aber auch die feine Hand des Winzers war gefragt, was bedeutete den richtige Lesezeitpunkt zu finden, und dieser war in den meisten Fällen extrem früh! Danach strebte man eine sanfte Extraktion der kleinen Beeren an, damit das Tannin nicht zu stark zum Tragen kommt.

All diese Momente haben dazu beigetragen, dass der Jahrgang 2025 ein wirklich Grosser geworden ist. Dies haben die Verkostungen während rund fünf Tagen eindrücklich gezeigt. Der Jahrgang ist qualitativ hervorragend – die verfügbaren Mengen andererseits sind klein, da die Hitze auch dazu geführt hat, dass es weniger Ertrag gab. Die Erträge sind teilweise um die Hälfte und mehr eingebrochen. Dies wäre eigentlich ein untrügliches Indiz für steigende Preise, doch dies wird es in diesem Jahr kaum geben, denn wie ich eingangs erwähnt habe, kämpft Bordeaux mit Absatzproblemen und kann es sich nicht erlauben, jetzt mit den Preisen zu spielen. Dies bedeutet für uns Weingeniesser schlussendlich, dass wir mit dem Jahrgang 2025 unglaublich viel Wein für wenig Geld erhalten. Ein Schnäppchen sozusagen…

Doch ist nun einfach alles herausragend, kann man alles kaufen? Wie erwähnt, sind vor allem jene Weine im Vorteil, welche keinen Hitzestress erlebt haben, oder andersherum gesagt, welche auf wasserspeichernden Lehm- und Kalkböden gewachsen sind. Auf der anderen Seite sind die eher hitzeverträglichen Rebsorten ebenfalls im Vorteil. Ich denke hier vor allem an Cabernet Sauvignon oder Cabernet Franc. Also gilt es doch genau hinzuschauen, welche Weine man sich in den Keller legen will. Apropos «in den Keller legen»: Dieser Jahrgang hat enormes Potential zu reifen, aber dank dieser wunderbar ausgereiften Frucht, sind die Weine auch schon jung extrem zugänglich und schön zu trinken.

Nach den ersten zwei Tagen in Saint-Émilion und Pomerol war ich begeistert von Cheval Blanc. Dieser hat für mich die Hitze hervorragend adoptiert. Aber auch L’Evangile und La Conseillante zeigen sich in Höchstform. Troplong Mondot auf dem Plateau sei ebenfalls erwähnt, der Wein ist Eleganz pur. Château Laroque gehört für mich zu den besten Weinen in Saint-Émilion, wie auch Beau-Séjour Bécot. Hier muss auch gesagt werden, dass vor allem die Zweitweine stark überzeugten. Allen voran Joanin Bécot, aber auch La Dame de Gaffelière und dann die «kleinen» Weine von Château Ausone, Château Simard, Moulin St. Georges und Haut Simard. Diese sind hervorragend und strapazieren das Budget nicht. Viel Wein für wenig Geld.

An der «Rive Gauche» sind mir vor allem die Weine von Saint-Estèphe positiv aufgefallen. Montrose aber auch Cos d’Estournel zeigen sich in Hochform. Calon Segur und das kleine Capbern sind unglaublich fein und elegant mit saftiger Frucht. Der Klassiker schlechthin ist für mich Château Phélan Ségur. Der Wein ist unglaublich stoffig und elegant.

In Pauillac sind die Weine eine Spur strenger und das Tannin markiert mehr. Aufgefallen ist mir hier vor allem Mouton, aber auch Lafitte Rothschild und Pontet Canet gehören zu den Besten. Clerc Milon zeigte sich auch sehr stark. In St. Julien ist sicherlich Las Cases eine Sünde wert – aber auch die Weine von Ducru-Beaucaillou stechen positiv heraus. Daneben sieht man aber auch, dass es Produzenten hat, welche mit den speziellen meteorologischen Bedingungen ihr Mühe hatten. Im Margaux dann, war ich geflasht von Château Margaux. Dieser Wein wurde normal oder später geerntet und zeigte sich trotzdem unglaublich elegant. Aber auch Palmer und vor allem Brane Cantenac sind herausragende 2025er.

In Pessac-Léognan sehen wir zwei Gesichter. Zum einen die hervorragenden Rotweine, aber auf der anderen Seite die Weissweine, welche für mich nicht in allen Fällen gut waren. Hier sieht man zum Teil deutlich, dass man bei den Weissweinen Mühe hatte, die Frische in diesem Jahr zu konservieren.

Allen Voran sei Carmes Haut-Brion hier erwähnt. Der Wein ist eine Wucht – so was von elegant, mit viel Druck im Gaumen – für mich vermutlich, das Beste, was es in Bordeaux zu verkosten gab. Aber auch die Weine von Haut-Brion und Smith Haut Laffite sind eine Wucht.

Am Ende dieser intensiven Degustationswoche bleibt einfach dieser «WOW-Effekt» hängen, denn es ist ein Jahrgang, der wirklich viel Freude bereiten wird. Dies nicht nur qualitativ. Er schont auch das Portemonnaie – denn Preis-Leistung stimmt wie schon lange nicht mehr! Gerade bei den Zweitweinen und kleineren Château’s erhält man Weine zu hervorragenden Preisen.

Eines sei nun aber doch noch erwähnt am Schluss. Die Produktion dieses Jahrgangs war schwierig - sehr viel Management in den Reben und im Keller war gefragt. Ein Aufwand der sich qualitativ absolut gelohnt hat. Doch wegen den kleinen Erträgen und der weltweit schwierigen Situation, welche keine grossen Preissprünge nach oben erlaubt, ist die wirtschaftliche Situation für viele Weinproduzenten zur grossen Challenge geworden. Nochmals einige Jahre mit solch komplexen Herausforderungen, geht dann bei vielen Weinproduzenten an die Existenz.

 

Thomas Dürlewanger, April 2026

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